Zettelchen

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Eine Zettelanwendung, welche eng mit der Applikation als Einkaufszettel zusammenhängt, ist die des Essensplanes. Diese Weiterentwicklung im Gebrauch der Zettelchen ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass ich sie zum einen direkt mit der Einkaufsliste verlinke und zum anderen in den wöchentlich wiederkehrenden Arbeitsrythmus zeitlich geschickt integriert habe. So sitze ich fast ausnahmslos jeden Donnerstagabend mit mindestens drei Zettelchen und einigen Kochbüchern. Auf den Einkaufszettel kommen zuerst die offensichtlichen Dinge, wie bereits beschrieben, geordnet nach dem Aufbau des Supermarktes. Danach suche ich im Schnitt vier Gerichte aus den Kochbüchern, die in der folgenden Woche gekocht werden sollen. Alle fehlenden Zutaten aus den Rezepten werden auf den Einkaufszettel geschrieben. Da überall genügend Platz für Einfügungen ist, kann ich zB das Dinkelmehl bequem zwischen Toilettenpapier, links oberhalb neben die schwarzen Oliven ohne Kern setzen. Dieses setzt sich fort, bis auf dem Kochzettel alle 4 Gerichte und fehlende Zutaten auf dem Einkausfzettel an richtiger Position stehen. Den Namen der Gerichte auf dem Kochzettel füge ich übrigens einen Link ins Kochbuch hinzu. Wenn ich dann dieses Gericht koche, kann ich direkt das Kochbuch an der richtigen Stelle aufschlagen und muss nicht noch einmal suchen.

Obwohl - nicht alle Produkte landen auf diesem Einkaufszettel, manche Lebensmittel kaufe ich frisch auf dem Wochenmarkt oder in einer nahe gelegenen Gemüsescheune. Für diese Lebensmittel gibt es das dritte Zettelchen, es sei denn, der erste Einkaufszettel beinhaltet nur wenige Artikel. Dann falte ich ihn nach Wochenmarkt und Supermarkt und trage die Artikel auf den entsprechend gefalteten Bereich ein.

Der Kochzettel wird mit Magnet an den Kühlschrank befestigt. In der kommenden Woche dient er nicht nur als Kochplan. Er ist gleichzeitig Sammelzettel für fehlend werdende Produkte in der Folgewoche. Diese werden auf dem Kochplan am linken Rand schräg notiert, in der Mitte stehen die Gerichte. Am folgenden Donnerstag trage ich die schräg gesammelten Produkte vom Kochplan über auf den neuen Einkaufszettel für Supermarkt oder Wochenmarkt.

Dank des strukturierten Einkaufszettels kann ich sehr schnell und effektiv einkaufen. Mein Rekord liegt bei unter 15 Minuten für einen gut gefüllten Einkaufswagen. Zum Glück gibt es aber auch Gelegenheiten, bei denen der Einkauf länger dauert. So habe ich einmal einen Bekannten getroffen und wir haben uns 45 Minuten, einige Meter entfernt vom Kühlregal, zwischen parfümierten Damenbinden und Shampoo stehend, unterhalten.

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Wie von selbst entstanden auf den Zetteln kleine Briefchen innerhalb der Familie. Auch hier ist der Ursprung nicht mehr feststellbar. Vermutlich war es so, dass morgens jemand die Wohnung verließ, während die anderen noch schliefen und jemand den noch schlafenden eine Nachricht zukommen lassen wollte. Mein Favorit war dabei folgendes Briefchen, das ich eines Abends vorfand, als ich nach einem langen Tag nach Hause kam. Auf ihm stand: Der Wäschetrockner müsste fertig sein, kannst du ihn bitte hochholen? - Küsschen. Nun sei angemerkt, das mit "ihn bitte hochholen" die Wäsche im Trockner, nicht der Trockner selbst, gemeint war und das dieser vier Treppen weiter unten, wo ich gerade zuvor herkam, im Keller stand. über so eine persönliche Begrüßung kann man sich nur freuen.

Aber solche Anweisungen kann ich auch schreiben. Als ich eines Sonnabend morgens früh in Richtung Wochenmarkt aufbrach, hinterließ ich einen Zettel mit der Aufschrift: Bin zum Markt, deckt schon mal den Frühstückstisch! Wenn ich dann zurück kam war der Zettel unverrückt und ungelesen an der gleichen Stelle und alle schliefen noch. Nach drei Versuchen, stellte ich diese Art von Briefchen ein. Stattdessen habe ich gelegentlich, wenn ich in der Woche morgens als erster das Haus verließ, den Frühstückstisch für die anderen in besonderer Art und Weise vorbereitet hinterlassen. Sehe ich Papier und Stift, kribbelt es meistens, damit etwas zu machen. Eines Morgens schnitt ich kleine Schildchen aus Papier, mit Zeichnungen und Aufschriften wie: Butter, Obst, Marmelade, sowie Hinweisenpfeilen zur Teekanne. Die Schildchen blieben eine kurze Zeit im Gebrauch. Auch Briefchen an mich selbst haben sich als ein hervorragendes Hilfsmittel erwiesen. So lege ich mir gelegentlich abends einen Zettel hin, mit einer Erinnerung - neudeutsch: Reminder - das ich Kuchen vom Bäcker abholen und mit zur Arbeit nehmen wollte. Bei dieser Art von Briefchen verzichte ich auf Liebesfloskeln wie "Küsschen".

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Die Texte sind zwei Auszüge aus der Geschichte.